IKK Südwest:

Hallo Herr Lehmann, wir würden uns gerne mit Ihnen über Essen unterhalten.

Jens Lehmann:

Okay – über Nahrung oder über die Stadt?

IKK Südwest:

Gerne über beides. Fangen wir doch mit der Stadt an. Essen ist Ihre Heimat.

Jens Lehmann:

Das ist richtig. Dort steht mein Elternhaus, meine Familie und Freunde leben da. Ich habe in Essen angefangen, Fußball zu spielen. Ich verbinde also vieles damit.

IKK Südwest:

Und hat die Stadt Essen Ihr Essverhalten geprägt?

Jens Lehmann:

Nicht direkt. Irgendwie habe ich mich immer automatisch ganz gut ernährt, besonders natürlich als Sportler. Ich musste noch nie großartig Beschränkungen vornehmen. Die meisten ungesunden Sachen habe ich eh nicht gegessen.

IKK Südwest:

Das ist natürlich ein Geschenk. War das so, weil Ihr Körper Ihnen das gesagt hat oder weil es Ihnen jemand gesagt hat?

Jens Lehmann:

Irgendwann haben mir natürlich auch Leute erzählt, was man essen soll, was gut ist und was schlecht, aber wie gesagt, die guten Sachen hatte ich da eh schon auf dem Speiseplan. Das war nie so ein Thema für mich.

IKK Südwest:

Also ist essen für Sie eher was Beiläufiges?

Jens Lehmann:

Ich esse gerne, keine Frage. Aber ich mache mir wenig Sorgen darüber. Ich habe Glück, ich hatte immer einen relativ niedrigen Fettanteil im Körper. Deswegen musste ich mich nie um bewusste gesunde Ernährung kümmern, hatte immer einen gesunden BMI.

IKK Südwest:

Sportlich hatten Sie ja viele Stationen, da gab es sicher auch kulinarische Highlights: Schalke, Mailand, Dortmund, London, Stuttgart – oder anders: Currywurst, Spaghetti, Spätzle oder Fish’n’Chips? Welcher Verein servierte Ihnen das beste Essen?

Jens Lehmann:

(lacht) Das beste Essen gab es sicherlich in Mailand. Aber auch in London, da war es eigentlich noch gesünder, wenn ich so darüber nachdenke, frisch und reichhaltig. Die internationale Küche dort bringt eigentlich alles auf den Teller, was gut schmeckt.

IKK Südwest:

Was genau ist für Sie „gutes Essen“?

Jens Lehmann:

Gutes Essen bedeutet für mich Vielfalt. Das hat man in London sehr ausgeprägt, eben weil die Stadt so international aufgestellt ist. Ich esse vieles gerne, mag Abwechslung und picke mir gerne das raus, was mir richtig gut schmeckt.

IKK Südwest:

Dann mal Butter bei die Fische: Was hat Jens Lehmann am liebsten auf dem Teller?

Jens Lehmann:

Sushi mag ich in allen Variationen. Dann noch gut bürgerlich Rindsrouladen (gefüllt mit Zwiebeln und Speck, nicht mit Gurken!) und Meeresfrüchtesalat.

IKK Südwest:

Und was legen Sie sich auf den Grill?

Jens Lehmann:

Mageres Rinderfilet, vielleicht Lachs und auf jeden Fall Maiskolben.

IKK Südwest:

Klingt lecker! Ihr Vereinskollege Ingo Anderbrügge hat Sie in einem Interview mal als „etwas verrückt“ bezeichnet. Kulinarisch gesehen: Gibt es eine verrückte Essenskombination, die Sie mögen?

Jens Lehmann:

Nein, eher im Gegenteil. Ich kombiniere wenig, ich esse Dinge lieber alleine.

IKK Südwest:

Als Spitzensportler ist Essen ja elementar wichtig. Haben Sie denn ein Geheimrezept für gute Ernährung vor einem großen Spiel?

Jens Lehmann:

Also für viele Sportler gibt es immer noch ganz klassisch Nudeln, meist Spaghetti. Einige essen auch einfach gar nix vor Spielen. Auch nach meiner aktiven Zeit hat sich das Essen bei mir gar nicht so großartig gewandelt. Im Moment esse ich zum Beispiel 16 Stunden lang nichts: Es gibt abends was und dann erst wieder am Mittag oder Nachmittag.

 

IKK Südwest:

Sie sind also voll drin im aktuellen Trend Intervallfasten im 16/8-Takt: 8 Stunden pro Tag sind zum Essen da, 16 Stunden wird gefastet?

Jens Lehmann:

Ja. Mein Körper signalisiert mir, dass dieser Ernährungsstyle gut für ihn ist. Dazu kombiniere ich Eiweißhaltiges wie mageres Fleisch oder Fisch und Reis. Was ich mir auch angewöhnt habe, ist, den Teller nicht so voll zu machen – also wirklich bewusst zu essen.

IKK Südwest:

Beeinflusst Nahrung Ihre körperliche Verfassung?

Jens Lehmann:

Ich habe immer ein bisschen zu viel Süßigkeiten gegessen. Wenn ich gemerkt habe, es wird wieder zu viel, habe ich sofort reduziert, das war hilfreich und hatte einen direkten Effekt.

IKK Südwest:

Wie halten Sie sich im Moment fit?

Jens Lehmann:

Jeden Tag ein bisschen Sport, manchmal nur 10 Minuten, manchmal zwei Stunden, immer irgendwas dazwischen. Aber kein Joggen, eher schnelle Läufe. Man sollte jeden Tag etwas tun, um den Körper zu fordern.

 

IKK Südwest:

Schnelle Läufe hat die deutsche Nationalmannschaft ja zuletzt auf dem Platz vermissen lassen… Wie erleben Sie denn die WM?

Jens Lehmann:

Sehr interessant, finde ich. Es gibt wenige Mannschaften, die mit dem Niveau nicht mithalten können, sieht man besonders deutlich an den Südamerikanern. Das haben wir ja auch am eigenen Leibe erlebt, als wir gegen Mexiko verloren haben. Man kann inzwischen einfach nicht mehr erwarten, dass man andere Mannschaften einfach mal mit 3 oder 4:0 vom Platz fegt.

IKK Südwest:

Kommen eigentlich Erinnerungen an 2006 hoch, wenn Sie jetzt die WM schauen?

Jens Lehmann:

Wenig, das ist echt zu lange her. 12 Jahre, in dieser Zeit passiert viel.

IKK Südwest:

Wie schauen Sie am liebsten Fußball?

Jens Lehmann:

Meistens mit Freunden. Zu Public Viewings zu gehen, ist leider schwer für mich (lacht).

IKK Südwest:

Stehen dann Snacks auf dem Tisch, eher Äpfelchen oder eher Chips?

Jens Lehmann:

Eher Chips und Bier, meistens Kölsch.

IKK Südwest:

Viele kleine und große Jungs und Mädchen sind jetzt gerade sehr im Fußballfieber. Sie sind selbst Vater. Welche Tipps können Sie jungen Talenten geben, wie man es im Sport zu etwas bringen kann?

Jens Lehmann:

Oh, das ist schwer. Man sollte sich die guten Sachen von den Spielern abgucken, die man mag. Versuchen, ihnen nachzueifern und es besser zu machen. Und man muss extrem viel trainieren natürlich. In jedem Fall gehört Disziplin dazu: Das gilt sowohl fürs Essen als auch fürs Schlafen. Schlafen ist wichtig. Und wenig zocken.

IKK Südwest:

Was war der schönste Moment Ihrer Fußballerkarriere?

Jens Lehmann:

Der hat auch mit Ingo Anderbrügge zu tun. 1997, als wir mit Schalke den Europapokal gewonnen haben. Wir waren die absoluten Außenseiter, hatten uns zum ersten Mal seit 20 Jahren qualifiziert. Dass wir das geschafft haben, war einfach eine wahnsinnig gute Teamleistung und sehr emotional – nicht nur für uns, auch für die Schalke-Fans. Das hat mir gezeigt: Wer als Team zusammenhält, kann alles schaffen.

Aber ich habe Glück gehabt, danach konnte ich auch noch ein paar Titel gewinnen und durfte viele schöne Momente erleben.

IKK Südwest:

Wir danken Ihnen für das Gespräch, Herr Lehmann.

Jens Lehmann:

Gerne.